Geschichte

Die Kapelle entstand 1919, als der Priester Dr. Jakob Aufderklamm, Leiter des Lehrlingsheimes in der Kapuzinergasse, mit Unterstützung von Kanonikus Michael Gamper den Katholischen Jugendbund Bozen gründete und aus gespendeten Instrumenten eine Jugendkapelle formte; der erste öffentliche Auftritt erfolgte im Frühjahr 1921 unter Kapellmeister Egger im Garten des Prößliner Metzgers, mit rund zwanzig von Musikanten der Bürgerkapelle Gries ausgebildeten Burschen. Gründungsmitglied Hans Knoll erinnerte sich, aus Rücksicht auf die Nachbarn die Es-Klarinette gewählt zu haben; in den 1920er Jahren traten unter anderem Anton Stowasser, Roman Pola und der spätere Gauleiter Peter Hofer ein. Die Bozner Bläsertradition selbst ist weit älter – Jakob Johann Anton Schgraffer (1799–1859) gründete um 1840 eine städtische Musikbande neu, und schon ein Bild von 1790 zeigt eine Bläserformation. Unter dem Faschismus entzog sich die Kapelle der Zwangseingliederung in den Dopolavoro durch den Beitritt zur Unione Cattolica unter dem Schutz des Vatikans, allerdings unter der Auflage, jede außerkirchliche Tätigkeit zu unterlassen; der Jugendbund war bereits 1928 aufgelöst worden, 1935 folgte das generelle Verbot der Vereinskapellen, und Präfekt Giuseppe Mastromattei versuchte, das Vereinsvermögen einzuziehen. Im Herbst 1945 machten sich unter Präses Johann Staffler verbliebene Altmitglieder – vor allem Franz Saltuari, Josef Tissot, Kilian Karner und Willi Rossi – an den Neubeginn; das erste offizielle Gruppenfoto stammt vom 18. Oktober 1946.
Beim Fest zum 30-jährigen Bestehen 1949 zählte die Kapelle 33 aktive Musikanten unter Kapellmeister Josef Silbernagl und Tambourmajor Anton Puff. Die folgenden Jahrzehnte waren von wiederkehrenden Existenzkrisen geprägt: 1957 die kurze, unglückliche Phase als Lehrkapelle des VSM unter dem vom Verband ernannten Kapellmeister Peter Pernter, das Ausscheiden aus dem Jugendbund samt Verlust des Probelokals, die überraschende Räumung des Raumes in der Goetheschule 1966 unter Obmann Raimund Koppelstätter, Einschränkungen und sogar vorübergehende Verhaftungen von Mitgliedern während der politischen Unruhen von 1961 sowie eine Motivationskrise 1970/71, in der offen über die Auflösung diskutiert wurde. Bleibender Erfolg dieser Jahre war die von Obmann Friedrich Rosanelli vorangetriebene Bozner Tracht – Loden von Moessmer, Hüte von Hutter, Ledergurte aus der Werkstatt Thaler in Sarnthein –, erstmals zum 40-jährigen Jubiläum 1959 präsentiert und bis heute unverändert getragen. Unter Obmann Luis Cretti-Bischof wurde die Kapelle in Musikkapelle Bozen umbenannt, 1974 wurden erstmals Mädchen aufgenommen und 1975 marschierten Musikantinnen erstmals mit. Nach Helmuth Schenk und Reinhard Kaneppele prägte vor allem Toni Pichler-Giulay das Jahrzehnt: 1979 ein 1. Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe beim Wertungsspiel in Völs am Schlern, das erste Faschingskonzert zum 60-jährigen Bestandsjubiläum und ab 1978 der Brauch der musikalischen Weihnachtsgrüße. 1987 übergab er den Taktstock an Norbert Grumer.
1989 übernahm der damals 19-jährige Alexander Veit, Sohn des Landeskapellmeisters Gottfried Veit, die musikalische Leitung – auf Vorschlag von Stefan Parschalk, der ihn beim Projekt Bozner Jugendkapelle erlebt hatte. Unter ihm stieg die Kapelle in die Höchststufe auf; ein 1. Rang mit 96,1 Punkten beim 13. Landesmusikfest in Meran im Mai 1995 ließ die Blasmusikszene aufhorchen. Am 12. September 1996 beschlossen die Mitglieder die Umbenennung in Stadtkapelle Bozen, erstmals öffentlich getragen bei der Cäcilienfeier desselben Jahres – überschattet vom plötzlichen Tod des Obmannes Peter Vonmetz am 7. November 1996; es folgten die Interimsführung durch Kurt Rottensteiner und sieben Jahre unter Egon Niederwanger. Auf die erste CD von 1990 folgten 1996 eine Einspielung mit Alfred Reeds Rushmore und Kees Vlaks The New Village sowie die 2011/12 im Konzerthaus Bozen aufgenommene CD Inspiration, die bei den Internationalen Musiktagen in Vöcklabruck den wind.ART gewann. Weitere Höhepunkte waren der erste Platz beim 7. Österreichischen Blasmusikwettbewerb 2008 in Feldkirchen, ein Livekonzert aus dem ORF-Landesstudio Tirol und die musikalische Gestaltung eines Gottesdienstes im Petersdom.
Unter Obmann Burkhard Fischer und Kassier Manfred Weger, mit Vizebürgermeister Elmar Pichler Rolle als städtischem Ansprechpartner, entstand 2007 das neue Probelokal, im Jänner 2008 bezogen und am 11. Oktober 2008 von Domdekan Bernhard Holzer gesegnet. Das Jubiläumsjahr 2019 unter Obmann Stefan Parschalk krönte diese Zeit: das Festkonzert am 26. Jänner im Konzerthaus, eröffnet mit Epigramm von Gottfried Veit und mit der zehnjährigen Chantal Ramona Veit als Klaviersolistin, die 71. VSM-Jahreshauptversammlung im März mit dem Verdienstkreuz in Silber für Alexander Veit, ein RAI-Fernsehportrait im April und der Festgottesdienst am 25. Mai mit der Cäcilien-Messe von Hannes Kerschbaumer.
Noch im Herbst 2019 wurde die Nachfolge geregelt: Johann (Hans) Finatzer aus Truden, Jahrgang 1973, diplomierter Posaunist des Bozner Konservatoriums, übernahm die musikalische Leitung und stellte beim Festkonzert am 25. Jänner 2020 im Konzerthaus die Kapelle in den Vordergrund; er ist seit 1993 als Kapellmeister tätig – unter anderem in Kurtinig, Margreid, Auer, Truden, St. Pauls und Terlan – und arbeitet als Instrumentalpädagoge und Landesfachgruppenleiter Blechblasinstrumente in der Landesmusikschuldirektion, daneben war er Verbandsjugendleiter im VSM.
Eine belgisch-niederländische Achse entwickelte sich: beim Festkonzert am 28. Jänner 2023 standen belgische Klänge mit den Solisten Manu Mellaerts und Tom Verschoore auf dem Programm, im Oktober 2023 reiste die Philips Harmonie aus Eindhoven nach Bozen und Meran, und vom 31. Oktober bis 2. November 2024 folgte der Gegenbesuch der Stadtkapelle in Eindhoven – mit dem Gemeinschaftskonzert im Augustinianum, das auf die Vermittlung von Manu Mellaerts zurückging – sowie einem Platzkonzert unter dem Titel Guten Tag, Freunde! in der Kuppel des Evoluon. Das Repertoire spiegelt diese Verbindungen: beim Festkonzert 2024 mit Violinsolist Stefano Ferrario erklang Ponte Romano von Jan Van der Roost, 2025 unter anderem Blackbird Special von Reid Gilje, und zum Festkonzert 2026 meldeten sich Jan Van der Roost und Luciano de Luca mit persönlichen Grußbotschaften an das Bozner Publikum – der belgische Komponist war dazu selbst in Bozen und Gastdirigent beim Festkonzert der Stadtkapelle.
Parallel dazu bleibt die Jugend- und Basisarbeit zentral: in Zusammenarbeit mit der Musikschule Bozen und der Goethe-Schule wurde mehrfach das Projekt Bläserklasse durchgeführt, ergänzt durch die Jugendkapelle, während Cäcilienfeiern im Kolpinghaus, Messgestaltungen, Platzkonzerte am Rathausplatz und die traditionellen Weihnachtsbräuche den Jahreslauf des Vereins weiterhin prägen.